Presse

Nachbarschaft soll gelebt werden

12.12.2014 Allgemeine Zeitung Ingelheim
Von Beate Schwenk
WOHNMODELL
Verein „Polychrom“ strebt Miteinander mehrerer Generationen unter einem Dach an
Es klingt verlockend: eine bunt gemischte Hausgemeinschaft, die ein solidarisches Miteinander lebt. Jung und Alt, die einander unter die Arme greifen und den Gedanken der Nachbarschaftshilfe pflegen. Ein solches alternatives Wohnmodell hat der Verein „Polychrom“ vor Augen. Schon seit Jahren ist die Gruppe mit Planungen beschäftigt. Nun aber scheint der Projektstart in greifbare Nähe zu rücken.Bei einer Veranstaltung im Weiterbildungszentrum (WBZ) zum Thema neue Wohnkonzepte informierte „Polychrom“ über den aktuellen Sachstand. Außerdem war die Autorin und Publizistin Dorette Deutsch eingeladen, die von kreativen Wohnlösungen in ganz unterschiedlichen Städten und Gemeinden berichtete. Moderiert wurde die Veranstaltung von WBZ-Direktor Dr. Florian Pfeil.Drei Standorte besichtigt
„Wir sind auf dem Weg, eine Planungsgemeinschaft zu gründen“, lieferte Patricia Frühwirth-Bohne von „Polychrom“ zunächst einen Sachstandsbericht. Man habe inzwischen mit der Stadt eine Grundstücksbegehung gemacht, bei der drei mögliche Standorte besichtigt wurden. Außerdem habe man einen Berater hinzugezogen, der auch an der Begehung teilgenommen habe. Nach der zeitlichen Perspektive gefragt, antwortete ein Vereinsmitglied, dass man sich alsbald mit einem detaillierten Konzept um ein Grundstück bewerben werde. Wenn alles ideal laufe, dann könnte Ende 2016 mit dem Bau begonnen werden. Was man allerdings dringend brauche, seien weitere Mitstreiter. Zurzeit ist es ein harter Kern von elf Personen, die das Projekt planen und vorantreiben. Angestrebt aber ist eine Hausgemeinschaft mit 15 bis 25 Wohneinheiten.Was man bei einem solchen Vorhaben beachten muss, davon erzählte Dorette Deutsch, die zwei Bücher zu dem Thema geschrieben hat. 800 bis 1000 alternative Wohnprojekte gebe es mittlerweile in Deutschland, so die Schätzungen der Autorin. Die Modelle seien ganz unterschiedlich. Wenn man ein generationenübergreifendes Wohnprojekt plane, sei es eminent wichtig, mit einem Irrtum aufzuräumen, empfahl die Buchautorin. Es gehe nicht darum, dass die Jüngeren die Älteren pflegen müssten. Ziel solcher Wohnmodelle sei zwar, familienähnliche Strukturen zu schaffen, die Pflege indes sei stets professionellen Kräften vorbehalten.

Nachbarschaft zählt
„Das A und O sind die nachbarschaftlichen Beziehungen“, stellte Dorette Deutsch klar. Eine junge Familie kann den älteren Hausbewohnern etwa die Einkäufe abnehmen, dafür springen die Senioren als Babysitter oder bei der Hausaufgabenbetreuung ein.

Wert legt der Verein außerdem darauf, dass das Wohnprojekt keinen Inselcharakter hat. Es soll vielmehr eine Einrichtung entstehen, die ins Quartier hinein ausstrahlt. Zum Beispiel durch ein angegliedertes Nachbarschaftscafé, das als Drehscheibe für den Stadtteil fungiert. „Es kann ein Modell für Ingelheim sein“, betonte Florian Pfeil, der in der Initiative ein Projekt von gesellschaftlicher Tragweite sah. Dies auch, weil der Verein sich perspektivisch nicht auf dieses eine Vorhaben beschränken will, sondern sich durchaus vorstellen kann, mehr als ein Projekt auf den Weg zu bringen. Lob gab es schließlich auch von Dorette Deutsch. „Sie machen eigentlich alles richtig. Da habe ich schon ganz andere Projekte erlebt“, stärkte die Publizistin dem Verein den Rücken.

 

Wohnen als Grundbedürfnis

30.06.2014, Allgemeine Zeitung Ingelheim
von Helena Sender-Petry

DISKUSSION Experten informieren im Yellow über eine Stadtplanung der Zukunft

INGELHEIM – Was muss eine Stadt, was muss Ingelheim tun, um zukunftsfähig zu sein? Welche städtebaulichen Ziele sollten ganz oben auf der Agenda stehen, um dem steigenden Bedürfnis der Menschen nach mehr und attraktiverem Wohnraum gerecht zu werden? Es ist Oberbürgermeister Ralf Claus durchaus bewusst, dass Wohnen als soziale Infrastruktur, als Grundbedürfnis begriffen werden muss. Und er informierte die Besucher der Veranstaltung „Ingelheim im Wandel“ darüber, dass die Stadt in den nächsten Jahren rund 150 neue Wohnungen bauen wird.

Dabei werde nicht nur das Augenmerk auf „ein preiswertes bis mittleres Segment“ gelegt, auch die Qualität des Wohnumfeldes rücke zunehmend in den Fokus der Planungen. „In einer älter werdenden Gesellschaft spielt neben einer Verknüpfung mit sozialen Dienstleistungen im Quartier auch die Infrastruktur eine tragende Rolle“, weiß der OB. Genauso müssten nachbarschaftliche Beziehungen „aufgebaut und gefördert werden“. Sein Fazit: „Wohnungen sind Orte der Geborgenheit, die eine erlebbare und lokale Identität spiegeln.“ Doch gibt es überhaupt noch die klassische Nachbarschaft im positiven Sinn? Annette Spellerberg, Dozentin für Stadtsoziologie an der TU Kaiserslautern, differenziert: „Nachbarschaft ist ein neutraler Begriff.“ Sie spricht von „Gemeinschaft“, wenn aus Nachbarn Freunde werden, die sich gegenseitig helfen. Eine Möglichkeit also, wie sich eine neue Wohnform etablieren könne. Kleinstädte seien bevorzugte Wohnorte, somit sei Ingelheim sehr attraktiv, doch nur dann, wenn „günstige Flächen zur Verfügung stehen“. Und weiter: „Mit Wohnungen alleine ist es also nicht getan.“

Anregungen für Ingelheim gab Iris Behr, ehemalige Stadträtin von Darmstadt, die unterstrich: „Um etwas zu verändern, braucht es Strukturen.“ Zentral sei auch die Entscheidung, wer die raren städtischen Grundstücke in Ingelheim bekommt. Das Credo von Christian Kopetzki, Stadtplaner mit Lehrstuhl in Kassel, lautet: „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“. Nachverdichtung müsse zur Leitstrategie werden, deshalb sei es wichtig, Potenziale systematisch zu erkunden, damit sich „Optionsgebiete herauskristallisieren“. Zudem sollte die Stadt Vereine wie Polychrom aktiv unterstützen, „weil solche Gruppe Flächen sparen“. Seit 2009 investiert Polychrom viel Zeit und Arbeit in ihre Vorstellung vom Mehrgenerationenwohnen. OB Claus bestätigte, dass bereits Gespräche mit dem Verein geführt werden.

Pressemitteilung Vereinsgründung
Polychrom – Initiative für gemeinschaftliches Wohnen ist jetzt Verein

Die Wohnprojekt-Initiative hat sich in 4 Jahren intensiver Vorarbeit umfassendes Know-how zum Thema „Neue Wohnformen für Jung und Alt“ erarbeitet und wird jetzt auch beratend auf diesem Gebiet tätig. Zu diesem Zweck wurde ein Verein gegründet, der der Initiative eine dazu geeignete Rechtsform gibt.

Am 15. Juli 2013 wurde im Rahmen einer Gründungsversammlung der Verein „Polychrom – Initiative für gemeinschaftliches Wohnen e.V.“ ins Leben gerufen. In der Versammlung, wurde dem Verein eine Satzung gegeben, die die Voraussetzungen der Gemeinnützigkeit erfüllt.

Die Wahl für den Vorstand fiel auf Patricia Frühwirth-Bohne, Dr. Hubert Hummelt, und Ingeborg Uhl-Ames.

Der Verein wird Wohnprojekte in Ingelheim fördern und  begleiten, die folgende Ziele anstreben: Miteinander von Jung und Alt, aktive Nachbarschaft, Nachhaltigkeit und ökologische Prinzipien, eine kreative interaktive Gemeinschaft. Gleichzeitig ist der Verein Förderer der Projektgruppe „Entwicklung eines Wohnprojektes in Ingelheim als Pilotprojekt.

Die Arbeitsweise des Vereins umfasst u.a. Netzwerkarbeit, Dialog mit der Stadt Ingelheim und dem Landkreis Mainz-Bingen.

Stammtisch, Informationsveranstaltungen und gemeinschaftliche Aktionen geben Interessenten die Möglichkeit Fragen zu klären, zum Beispiel Wohnen in einem Wohnprojekt, ist das was für mich? Wer aktiv mitarbeiten möchte, ist herzlich eingeladen. Kontakt und Info: Tel.: 0151-55596605; mail: info@wohnprojekt-polychrom.info, www.wohnprojekt-polychrom.info.
Stammtisch:1. Donnerstag des Monats, Peter&Silie, Bahnhofstr. 21, Ingelheim.

 Wohnen im Alter: Ingelheimer Gruppe sucht rheinhessenweit Gleichgesinnte

10.08.2013 – Allgemeine Zeitung Mainz, Rheinhessen
Von Rose-Marie Forsthofer

Sie haben eine Idee, eine Zukunftsvision, einen Traum. Und beileibe nicht von flüchtiger Konsistenz. Seit 2009 bereits investiert eine Gruppe von zehn Ingelheimer Frauen und Männern zwischen 15 und 65 Jahren viel Zeit und Arbeit in ihre Vorstellung vom Mehrgenerationenwohnen.

„Polychrom“ haben sie ihr Projekt genannt, und der Name ist Programm: Bunt, vielseitig, kreativ soll es bei ihnen zugehen.

Los ging es, so erzählen Bärbel Iken und Ingeborg Uhl-Ames, beide Mitglieder von Polychrom und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, bei Treffen in der Begegnungsstätte Mehrgenerationenhaus.

Zuerst unterhielt man sich nur über Wohnen in der Zukunft, dann traf sich ein Stammtisch, aus dem eine Konzeptgruppe hervor ging. Schließlich, 2010, setzte ein Wochenendworkshop zum Thema alternative Wohnformen einen Meilenstein. Klar kristallisierte sich die Absicht heraus, ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt auf den Weg zu bringen, das Neues wagen sollte.

Hilfe im Alltag
Angedacht sind ein oder mehrere Häuser mit 20 bis 25 Wohneinheiten ganz verschiedenen Zuschnitts, geeignet für Singles, Paare, Familien, Senioren. Gemeinschaftsräume soll es geben, etwa eine Gäste-Wohnung, die alle nutzen können, fakultative Arbeitsbereiche für Freiberufler, Car-Sharing, Waschmaschinen und Werkzeug zum Reihum-Verwenden. Gegenseitige Hilfe im Alltag, gemeinsame Unternehmungen, Arbeitsteilung bei Aufgaben, die alle betreffen, stehen auf dem Programm. „Aber kein Zwang“, betont Iken, „jeder soll so viel Gemeinschaft haben, wie er wünscht.“

Eine nachhaltige, ressourcenschonende Bauweise unter Verwendung entsprechender Materialien und sparsamster Energieeinsatz sollen die Häuser auszeichnen. Nicht von ungefähr heißen die Kernpunkte im theoretischen Überbau Gemeinschaft, Selbstbestimmung, Ökologie.

Jedoch das Stadium der reinen Theorie hat Polychrom längst verlassen. Kontakte zu Stadt und WBI (Wohnungsbaugesellschaft Ingelheim) sind geknüpft, möglicherweise entscheidet man sich noch in diesem Jahr für ein Grundstück. Im Januar absolvierte die Gruppe ein Probewohnen in einem Null-Energiehaus am Donnersberg: „Wir hatten es warm“, berichtet Uhl-Ames. Genaue Vorstellungen bestehen beispielsweise über die Altersmischung in einem Haus: jeweils ein Viertel jung, mittleres Alter und 50plus, ein Viertel offen. Auch auf soziale Mischung soll geachtet werden.

„Wir müssen wachsen“
Wo liegen Probleme? „Wir müssen wachsen“, betont Bärbel Iken, „wir brauchen mehr Mitstreiter.“ Leute, die an der Idee und am Standort interessiert seien, könnten nicht nur aus Ingelheim, sondern aus ganz Rheinhessen kommen. Ruht Polychrom auf vielen Schultern, fällt auch die Suche nach einem Geldgeber leichter, denn an die 20 Wohnungen müssen auch finanziert werden.

Wie genau das mit dem Kapital aussehen soll, darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Zumal das Projekt ja Eigentums-, Miet- und möglicherweise auch Sozialwohnungen enthalten soll. Aber eines steht fest: Um bezahlbaren Wohnraum muss es sich handeln, Polychrom wird keinesfalls Luxusobjekt für wenige sein.

Vermutlich steigt das Interesse schlagartig, wenn erst einmal der Bau eines Hauses begonnen hat. Wer darf dann einziehen? Die Gemeinschaft entscheidet, lautet die Antwort, und zwar weder nach der Devise „Wer bietet mehr“ noch nach der Frage „Wer hat sich zuerst gemeldet.“ Vielmehr sollten die Kandidaten die Ideale und Vorstellungen der Gruppe über neue Möglichkeiten des generationenübergreifenden Wohnens teilen. „Wir wollen groß denken“, sagen die beiden Frauen, Abstriche kämen früh genug.

Verein fördert neue Wohnformen
07.08.2013 – Allgemeine Zeitung Ingelheim

(red). Die Wohnprojekt-Initiative hat sich in vier Jahren intensiver Vorarbeit umfassendes Know-how zum Thema „Neue Wohnformen für Jung und Alt“ erarbeitet und wird jetzt auch beratend auf diesem Gebiet tätig. Zu diesem Zweck wurde ein Verein gegründet, der der Initiative eine dazu geeignete Rechtsform gibt.

Im Rahmen einer Gründungsversammlung wurde der Verein „Polychrom – Initiative für gemeinschaftliches Wohnen e.V.“ ins Leben gerufen. In der Versammlung wurde dem Verein eine Satzung gegeben, die die Voraussetzungen der Gemeinnützigkeit erfüllt. Die Wahl für den Vorstand fiel auf Patricia Frühwirth-Bohne, Dr. Hubert Hummelt und Ingeborg Uhl-Ames.

Netzwerke und Dialog

Der Verein wird Projekte begleiten, die folgende Ziele anstreben: Miteinander von Jung und Alt, aktive Nachbarschaft, Nachhaltigkeit und ökologische Prinzipien, eine kreative interaktive Gemeinschaft. Gleichzeitig ist der Verein Förderer der Projektgruppe, die in Ingelheim ein Wohnprojekt als Pilotprojekt entwickelt. Die Arbeitsweise des Vereins umfasst mitunter Netzwerkarbeit, Dialog mit der Stadt Ingelheim und dem Landkreis Mainz-Bingen.

Stammtisch, Informationsveranstaltungen und gemeinschaftliche Aktionen geben Interessenten die Möglichkeit Fragen zu klären, zum Beispiel: Wohnen in einem Wohnprojekt, ist das was für mich? Wer aktiv mitarbeiten möchte, ist eingeladen.

 

Noch fehlt der geeignete Standort
15.05.2013 – Allgemeine Zeitung Ingelheim

Von Beate Schwenk

MEHRGENERATIONEN-WOHNPROJEKT
Gruppe Polychrom will Plan in den nächsten drei bis vier Jahren realisieren

Mehrere Generationen unter einem Dach, abgeschlossene Wohneinheiten, offene Gemeinschaftsbereiche und gegenseitige Nachbarschaftshilfe – so etwas schwebt vielen Menschen vor, die im Alter nicht allein leben wollen. Auch die Mitglieder des Wohnprojekts Polychrom haben eine solche Vision. Die Initiative für gemeinschaftliches Wohnen hat in den letzten Jahren ein Konzept erarbeitet, das sie Schritt für Schritt umsetzen will. Innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre will man ein Projekt mit 20 bis 25 Wohneinheiten auf die Beine stellen.

Mitstreiter werden gesucht

Zurzeit besteht Polychrom aus zehn Frauen und Männern, die sich regelmäßig treffen. Gesucht werden aber noch weitere Mitstreiter aus Ingelheim und Umgebung, die als Mieter oder Eigentümer auf den Zug mit aufspringen wollen. Für Interessenten bietet die Initiative jeden ersten Donnerstag im Montag einen Stammtisch in der Gaststätte „Petersilie“ an. Zudem versucht sie durch Informationsveranstaltungen neue Mitbewohner zu gewinnen. So auch mit dem Info-Frühstück, das jetzt im Ober-Ingelheimer Stadtteilhaus veranstaltet wurde. Zu dem Termin konnte das Planungsteam rund 15 Interessenten begrüßen, die sich einen Eindruck davon machen wollten, ob ein solches Modell für sie in Betracht kommen könnte oder nicht.

Immer wieder gefragt wurde danach, ob man denn schon ein passendes Objekt im Auge habe. Denn Grundvoraussetzung für die Realisierung ist natürlich ein geeignetes Grundstück oder eine Immobilie. „Hier stehen wir schon länger mit der Stadt und mit der WBI in Verhandlung“, erklärte Polychrom-Mitglied Ingeborg Uhl-Ames. „Das Interesse an alternativen Wohnformen nimmt immer mehr zu“, ergänzte Bärbel Iken. Auch die Stadt Ingelheim habe die Förderung generationenübergreifender Wohnprojekte in ihr Leitbild aufgenommen. Zudem habe Oberbürgermeister Ralf Claus wiederholt seine Unterstützung zugesagt.

Deshalb ist man durchaus zuversichtlich, alsbald einen Standort in Ingelheim zu finden.

Wissen wollten viele der Gäste auch, wie das Projekt finanziert werden soll. „Hier gibt es verschiedene Optionen“, so die Mitglieder der Gruppe. Die Möglichkeiten reichten von einer Eigentümergemeinschaft bis hin zu einem Genossenschaftsmodell. Zurzeit suche man nach einem Finanzberater, der bei der Wahl des passenden Modells helfen solle.

Eine ganz zentrale Frage für viele Gäste des Informationsfrühstücks war, wie man die Altersmischung erreichen kann. Die meisten der aktiven Mitglieder zählen zur Altersgruppe 50plus; und auch die Besucher waren mehrheitlich in diesem Segment anzusiedeln.

Junge Familie interessiert

„Wir haben auch eine junge Familie, die sich interessiert“, erklärte Polychrom-Mitglied Jörg Bruckmann. Doch man wolle natürlich noch mehr jüngere Menschen für das Projekt begeistern. Schließlich fußt das Konzept im Wesentlichen darauf, dass die verschiedenen Altersgruppen einander gegenseitig unterstützen. Ältere Mitbewohner könnten Kinderbetreuung oder Nachhilfe übernehmen, jüngere den älteren beim Einkaufen oder bei Hausarbeiten zur Hand gehen.

Gruppe „Polychrom“ will in Ingelheim ein generationenübergreifendes Wohnprojekt realisieren

20.09.2012 – Allgemeine Zeitung Ingelheim
Von Helena Sender-Petry

Menschen aller Altersgruppen haben sich vor rund zwei Jahren zusammengefunden, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen: ein generationenübergreifendes Wohnprojekt in Ingelheim. Die Gruppe nennt sich „Polychrom“, und dieser Name ist Programm. „Vielfarbig“ wollen sie sein, Singles, Paare, Alleinerziehende, junge Familien und Senioren sollen in einer Gemeinschaft leben, arbeiten und wohnen. Sich gegenseitig unterstützen, Hilfe anbieten und empfangen, ist eine weitere Facette im Konzept.

Bärbel Iken ist von Beginn an dabei: „Wir denken in kleinen Schritten. Und wir lassen uns beraten. Denn nicht nur ein Projekt-, sondern auch ein Finanzierungsplan soll noch in diesem Jahr vorliegen.“ Noch steht nicht fest, ob eine Genossenschaft, eine Eigentümergemeinschaft oder eine Mischform die Finanzierung stemmen wird. Die Suche nach einer geeigneten Rechtsform hat begonnen. „In drei bis vier Jahren wollen wir am Ziel sein, dann sollten die Wohnungen bezugsfertig sein“, sagt Iken im Gespräch mit dieser Zeitung.

Stadt eingebunden

Mit der Stadt seien bereits 2011 Gespräche geführt worden, weitere sind geplant. Damals habe der jetzige Oberbürgermeister Ralf Claus großes Interesse an den Plänen von „Polychrom“ gezeigt. Dass ein Millionenprojekt optimal vorbereitet sein muss, weiß Iken ganz genau. Dennoch ist sie mehr als optimistisch, dass es gelingen kann. „Das Interesse besteht, Menschen aus ganz Rheinhessen haben Kontakt zu uns. Sie können sich sehr gut vorstellen, in Ingelheim zu leben.“ Die Stadt habe viel zu bieten, „auch für junge Leute“, ist Iken überzeugt.

„Polychrom“ soll wachsen. Grund genug für Iken und ihre Mitstreiter, für den kommenden Sonntag zu einem Info-Frühstück ins Mehrgenerationenhaus einzuladen (siehe Infokasten). Die Ingelheimer Initiative hat längst Netzwerke geknüpft, auch zum Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, das Projekte dieser Art auch mit Zuschüssen unterstützt. Und es gibt Beispiele im Land – etwa das Schammatdorf in Trier – an denen sich Polychrom gerne orientiert.

Beispiel Trier

Im Schammatdorf wohnen Familien mit Kindern, Menschen mit und ohne Behinderungen, ältere Menschen, Studenten, Alleinerziehende zusammen und helfen sich gegenseitig im Alltag. Iken: „Auch wir wollen individuellen, barrierefreien und freundlichen Wohnraum schaffen. Deshalb suchen wir ein Grundstück oder ein Haus für 20 bis 25 Wohneinheiten und, das ist uns ein zentrales Anliegen, Platz für gemeinschaftliche Aktivitäten. Sonst verschwindet doch jeder in seiner Wohnung.“

 

Aktionswoche Wohnen in Rheinland-Pfalz 2012 – Wohnprojektinitiative Polychrom Ingelheim stellt sich vor

Selbstbestimmt leben im Alter, Jung und Alt gemeinsam in aktiver Nachbarschaft, wer wünscht sich das nicht?

In Ingelheim könnte diese Idee schon sehr bald Wirklichkeit werden und würde so die Stadt noch attraktiver und interessanter machen sowohl für Menschen im Beruf als auch für Familien und Ältere.

Seit circa 3 Jahren hat eine Gruppe von Aktiven hier Ideen entwickelt, ein Konzept entworfen und Kontakte zur Stadt geknüpft, um ein generationenübergreifendes Wohnprojekt auf den Weg zu bringen.

Die Aktionswochen Wohnen 2012 mit landesweiten Vorträgen und Seminaren vom 21. September bis 1. Oktober nimmt die Ingelheimer Gruppe Polychrom zum Anlass, um sich weiter bekannt zu machen.

Wer also mit Polychrom ins Gespräch kommen möchte, mehr über diese Initiative, ihre Arbeit und eine neue Form des Zusammenlebens  wissen möchte, ist herzlich eingeladen zum Info-Frühstück am Sonntag 23.09.2012 um 10.30 Uhr im Mehrgenerationenhaus Ingelheim Matthias-Grünewaldstraße 15. Um Anmeldung wird gebeten: Tel. 0151-5559 6605 oder info@wohnprojekt-ingelheim.info und www.wohnprojekt-polychrom.info

 

Allgemeine Zeitung Ingelheim, 21.05.2012

Gemeinschaftliches Wohnen

(red). Viele beklagen, dass am Rheinland-Pfalz Tag wenig Gelegenheit besteht, die gastgebende Stadt Ingelheim vorzustellen. Polychrom – die Ingelheimer Initiative für gemeinschaftliches Wohnen musste sich daher unter das ‚Dach’ der Landesregierung begeben: Am Samstag, 2. Juni, erhalten die Besucher im Zelt des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit auf dem neuen Marktplatz Informationen über „Gemeinsames Wohnen“ in Rheinland-Pfalz von Mitgliedern der Wohninitiative aus Ingelheim. Eine gute Gelegenheit für die Bürgerinnen und Bürger, sich auch aktuell über die Arbeit von Polychrom vor Ort zu informieren.

 

Allgemeine Zeitung Ingelheim, 15.11.2011

Ingelheimer Arbeitskreis Burgkirchengespräch diskutiert Gemeinschaftswohnen

Von Beate Schwenk

„Wohnprojekte schießen zurzeit wie Pilze aus dem Boden – zumindest scheint es uns so.“ Martina Schott vom Arbeitskreis Burgkirchengespräch umriss in kurzen Sätzen, warum man für die dritte und letzte Podiumsdiskussion in diesem Jahr das Thema Gemeinschaftswohnen ausgewählt hatte. „So bunt kann Zusammenleben sein – Neue Wohnformen für alle Generationen“ war der Titel des Burgkirchengesprächs, das von Christine Bausch, Redakteurin der Allgemeinen Zeitung, moderiert wurde.

Auf dem Podium standen jeweils zwei Personen, die sich beruflich mit dem Thema befassen, und zwei, die ein alternatives Wohnprojekt umsetzen wollen beziehungsweise gerade umgesetzt haben.

Rudi Herrmann ist bereits am Ziel seiner Wohnträume angelangt. Der Rentner lebt seit vier Monaten mit seiner Frau in dem genossenschaftlich organisierten Komplex „WohnArt eG“ in Bad Kreuznach. Gegenseitige Rücksichtnahme, Toleranz, Hilfsbereitschaft und ein harmonisches Miteinander, das seien die Eckpfeiler des Projekts, in das sich bislang 16 Bewohner eingekauft haben.

Auf dem Weg dorthin befindet sich noch das Ingelheimer Projekt „Polychrom“ (vielfarbig), das von Dr. Jan E. Peters vorgestellt wurde. Die Gruppe arbeitet seit mehr als zwei Jahren daran, ihre individuellen Vorstellungen vom Gemeinschaftswohnen auf einen Nenner zu bringen. Für die 20 bis 25 Wohneinheiten sucht „Polychrom“, deren nächstes öffentliches Treffen am Montag, 21. November (19.30 Uhr), im Mehrgenerationenhaus stattfindet, noch ein Grundstück oder ein Bestandsobjekt. Vorgesehen sind für den Wohnkomplex unter anderem die gemeinschaftliche Nutzung von Räumlichkeiten, Ressourcen, Geräten und Einrichtungen.

Ingelheims Bürgermeister Ralf Claus, zugleich Aufsichtsratschef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, stellte in Aussicht, bei der Suche nach einem geeigneten Objekt behilflich zu sein. „Wir beschäftigen uns schon lange mit dem Thema demographischer Wandel“, erklärte der Bürgermeister. „Dabei spielt das Wohnen eine wichtige Rolle.“ Man könne nicht früh genug damit anfangen, sich Gedanken zu machen, wie man im Alter leben wolle. Das, so Claus, habe er am Beispiel seiner Eltern gesehen, die sich leider erst zu spät mit dem Thema auseinandergesetzt hätten.

Wie groß die Vielfalt alternativer Wohnmodelle ist, darüber berichtete Berit Herger von der DRK-Beratungsstelle LebensWohnraum in Mainz, die beim Aufbau gemeinschaftlicher und generationenübergreifender Projekte Hilfestellung leistet. Die Initiativen, so Herger, seien ganz unterschiedlich organisiert und reichten von genossenschaftlichen oder Vereinsmodellen bis hin zu GmbHs, GbRs oder KGs. Realisiert würden kleinere Wohngemeinschaften ebenso wie größere Komplexe mit regelmäßigen Treffen, Festen und Aktionen sowie zusätzlichen Angeboten wie ein „Stubencafé“ oder „Kräutersammelkurse“.

Noch keine rechte Lösung scheint es für die Pflegeproblematik zu geben. Ob die Bewohner einander im Ernstfall gegenseitig pflegen können oder sollen, das Thema werde oft noch ausgespart, erklärte Berit Herger. Ein gutes Modell seien so genannte Pflegewohngemeinschaften. Diese hätten allerdings einen Haken: „Sie sind im Moment noch sehr teuer.“

 

Allgemeine Zeitung Ingelheim, 21.09.2011

In spätestens vier Jahren soll Wohnprojekt starten

INITIATIVE Gruppe „Polychrom“ will generationenübergreifendes Zusammenleben verwirklichen

(red). Wie will ich einmal im Alter leben? Dieser Frage stellt sich eine Gruppe von Menschen, deren Ziel ein generationenübergreifendes gemeinschaftliches Wohnprojekt in Ingelheim ist. „Polychrom“ nennt sich die Gruppe von derzeit rund zehn Personen – Singles, Paare, Familien – im Alter von 15 bis 65 Jahren. Sie lernten sich durch mehrere Treffen, die von der Betreuungs- und Koordinierungsstelle (Beko) Ingelheim und dem DRK-Projekt Lebenswohnraum initiiert wurden, kennen. Seit zwei Jahren trifft sich die Gruppe nun regelmäßig. Die Gründung eines Vereins ist der nächste Zwischenschritt auf dem Weg zum gewünschten Ziel. Bei einem Treffen im Mehrgenerationenhaus, an dem rund 30 Personen teilnahmen, stellte die Gruppe jetzt ihre Ziele und Aktivitäten vor.

Die wirtschaftliche Ausgangslage ist, wie bei der Veranstaltung deutlich wurde, bei den Mitgliedern von Polychrom ganz unterschiedlich. Dementsprechend sollen sowohl Mietwohnungen als auch der Erwerb von Wohneigentum im Rahmen des Projekts realisiert werden. Als Zeitfenster für die Umsetzung ihrer Pläne und Wünsche hat sich „Polychrom“ zwei bis vier Jahre gesetzt. Im Gespräch ist man auch mit der Stadt Ingelheim. Es hat bereits ein Treffen mit Bürgermeister Ralf Claus gegeben, der sich dem Projekt gegenüber sehr aufgeschlossen zeigte.

Die Zielgruppen sind breit gestreut: Junge Familien sollen sich ebenso angesprochen fühlen wie Alleinerziehende, Alleinlebende, Paare und Senioren. „Unser Projekt“, so heißt es bei Polychrom, „wird durch gemeinschaftliche Planung, Neubau oder Umnutzung von vorhandenem Wohnraum entstehen. Es soll uns ermöglichen, in einer selbst gewählten Gemeinschaft zu wohnen, zu leben und zu arbeiten und dabei aktive Nachbarschaftshilfe zu leisten und zu empfangen. Unser Ziel ist es, vielfältigen, flexiblen, barrierefreien, individuellen und freundlichen Wohnraum zu schaffen.“ Dabei ist den Gruppenmitgliedern Nachhaltigkeit ein großes Anliegen. Ökologisch und ressourcenschonend will man bauen und leben. Dazu gehört die gemeinsame Nutzung von Energieversorgung, Räumen, Werkzeugen, Geräten und Einrichtungen.